ab 16. Jahrhundert Becker Meyer
Gasteiger Nonnenmacher Müller
Marré Seiler Frühauf
Pillunat


Ab dem 16. Jahrhundert

Die Ophthalmologie hat in Dresden eine reiche und lange Tradition. Im 16. Jahrhundert wirkte hier Georg Bartisch (1535-1607) als kurfürstlicher Hofoculist. 1583 schrieb er den „Augendienst”, das erste deutschsprachige Lehrbuch der Augenheilkunde. Bartisch stammte aus dem Ort Gräfenhain, aus welchem auch die Vorfahren von Albrecht von Graefe, dem berühmtesten deutschen Augenarzt, stammen. Auch der Oculist Johann Eisenbarth (1661-1727) wirkte zeitweise in Dresden. Johannes Virgilius Casaamata (1741-1807), königlich-sächsischer Hofoculist versuchte als erster, eine Glaslinse in ein Auge einzusetzen. Die Idee dazu soll ihm Casanova gegeben haben, welcher ihm über die diesbezüglichen Überlegungen des Oculisten Tadini berichtet habe. Im 19. Jahrhundert führte Friedrich August von Ammon (1799-1861) die Augenheilkunde in Dresden zu einem Höhepunkt. Er war seit dem Jahre 1837 Leibarzt des Königs. Ammon veröffentlichte u.a. über Missbildungen des Auges wie Aniridie, Lidkolobom, Epikanthus. Zu seinem Schülerkreis zählten Beger, Warnatz, Gescheidt, Wengler und Eduard Zeis, nach welchem die Zeis-Drüsen des Augenlides benannt sind. Karl Heinrich Weller (1794-1854) schrieb 1819 das ausgezeichnete Lehrbuch “Die Krankheiten des menschlichen Auges”. Friedrich Best veröffentlichte 1905 über eine hereditäre Makulaerkrankung, welche heute nach ihm genannt wird (Morbus Best).

Augenklinik mit Balkonen und Gartenzaun

 

1901-1923

Das Johannstädter Stadtkrankenhaus wurde 1901 gegründet. Die Augenklinik befand sich auch schon damals im Westflügel des Haus 18. Im Ostflügel befand sich die Masernstation. Der damalige Leiter der Augenklinik war Dr. Hermann Becker. Es gab ein klinisch-histologisches Labor, der OP-Saal befand sich im 1. Obergeschoß. 1916 hatte die Klinik 41 Betten, die durchschnittliche Verweildauer der Patienten betrug 28 Tage.

 

1923-1937

Am 1. November 1923 wurde Sanitätsrat Dr. Waldemar Lothar Meyer Direktor der Klinik. Er wurde u.a. bekannt durch seine Arbeiten über die Bestrahlung von Lidtumoren mit Thorium-X-Stäbchen. Er war Sohn des berühmten Tübinger Chemieprofessors Dr. Julius Meyer (1830-1895), welcher mit Mendelejew das Periodensystem der Elemente aufstellte. 1936 hatte die Augenklinik 44 Betten und 7 Pflegekräfte.

 

1938-1951

Von 1938-1951 stand Prof. Hugo Gasteiger („Kugelblitz”) der Klinik vor. Er stammte aus der Steiermark und hatte sich in Innsbruck habilitiert. Er arbeitete wissenschaftlich u.a. über Zyklodiathermie, gutachterliche Fragen und schrieb ein Lehrbuch für Augenheilkunde. Er war ein sehr angesehener Klinikdirektor und wurde später von 1951-1957 Chef der Augenklinik der Humboldt-Universität und von 1957-1968 Direktor der Augenklinik Westend der FU Berlin. 1942 hatte sich die Bettenzahl auf 93 Betten verdoppelt. Am 13. Februar 1945 brannte die Augenklinik nach Bombentreffern aus. Die Patienten wurden bis 1948 in Haus 6 und 8 verlegt. 1949 erfolgte der Wiedereinzug in das renovierte Haus 18.

 

1952-1958

Zunächst als kommissarischer Leiter und dann als Direktor leitete Doz. Dr. med. habil. Heinz Nonnenmacher die Augenklinik. Er beschäftigte sich u.a. mit diabetischer Retinopathie, dem Sturge-Weber-Syndrom sowie Sehnervenentzündung und war nach Gründung der Medizinischen Akademie Dresden am 1. September 1954 Lehrstuhlinhaber.

 

1958-1969

Unter Prof. Dr. med. habil. Fritz Müller wurde die Klinik renoviert und eine Bibliothek eingerichtet. Es wurden u.a. Glaukomreihenuntersuchungen der Normalbevölkerung durchgeführt, des Weiteren erfolgten Arbeiten auf dem Gebiet der Mikrobiologie und Parasitologie und die Herausgabe eines Lehrbuchs der Augenheilkunde. 1958 wurde die Orthoptische - Pleoptische Abteilung eingerichtet, 1960 die Fotoabteilung, 1963 eine Optische Werkstatt. 1964 wurde die Kryoextraktion nach Krwawicz eingeführt. Der Krankenhausaufenthalt nach Staroperation betrug ca. 10 Tage (1954 noch 20 Tage). 1966 wurde mit Lichtkoagulation begonnen. Oberarzt Dr. Wolfgang Münchow wurde vor allem bekannt durch zahlreiche ausgezeichnete medizin-geschichtliche Arbeiten.

 

1970-1992

Am 1.9.1970 übernahm Prof. Dr. sc. med. Ernst Marré die Leitung der Klinik. Er hatte zuvor als Assistent im Physiologischen Institut in Leipzig, in der Leipziger Augenklinik unter Prof. Sachsenweger und seit 1967 als Oberarzt in Magdeburg gearbeitet. Es wurden Arbeiten u.a. über Störungen des Farbensehens durchgeführt und vom 5. bis 6.September 1978 fand ein Internationales Symposium über „Colour vision deficiencies” statt. Die Leitung der Poliklinik oblag Frau Prof. Marion Marré, welche 1970 den Rudolf-Virchow-Preis für ihre Habilitation über erworbene Farbsehstörungen erhielt. Wie Herr Prof. Marré hatte auch sie gute tropenophthalmologische Kenntnisse aufgrund eines Auslandseinsatzes in Ägypten und Burma. 1970 wurde das kryomedizinische Labor gegründet, welches unter der Leitung von Prof. Wolfgang Matthäus stand und zahlreiche kryomedizinische Geräte und entsprechende Anwendungsmethoden entwickelte. Dafür erhielt Prof. Matthäus 1973 den Rudolf-Virchow-Preis. 1970 wurde auch die Abteilung für Sinnesphysiologie des Farbensehens eröffnet, 1971 die Abteilung für Elektrophysiologie, 1974 die Abteilung für Funktionsdiagnostik, 1983 die Laserabteilung. Im Jahre 1971 wurde die Cüppersche Fadenoperation eingeführt, seit 1972 mikrochirurgische Operationen, seit 1978 Vitrektomien.

 

1993-1999

Seit Umwandlung in eine Universitätsklinik am 1. Oktober 1993 war Prof. Dr. Dr. Theo Seiler der Klinikdirektor. Er hatte zuvor als Oberarzt an der Universitätsaugenklinik Charlottenburg an der FU Berlin gearbeitet und war in Physik und Medizin promoviert. Unter ihm erfolgte eine vollständige Renovierung der gesamten Klinik. Insbesondere wurde der OP-Saal vergrößert und modernisiert und eine verbesserte Bibliothek eingerichtet. Es wurden refraktive Laserchirurgie (LASIK, PRK, ca. 450 Pat./Jahr), Phakoemulsifikation in der Kataraktchirurgie, Laservitrektomie, Zyklofotokoagulation, Farbstofflaser und Ruthenium-Bestrahlung von Aderhautmelanomen eingeführt. Jährlich wurden ca. 3200 stationäre und 8700 ambulante Patienten behandelt. Forschungsschwerpunkte waren refraktive Laserchirurgie, Biomechanik, Riboflavin/UVA-Behandlung zur Hornhautverfestigung bei Keratokonus oder Ulcus, Physiologische Optik einschließlich Aberrometrie. 1999 wurde ein Lehrbuch über refraktive Chirurgie herausgegeben. Prof. Seiler war auch für seine schönen Weihnachtsfeiern bekannt. 1994 und 1997 fand die Tagung der Sächsischen Augenärztlichen Gesellschaft in Dresden statt.

 

2000-2001

Nach dem Wechsel von Prof. Seiler an die Universitäts-Augenklinik Zürich am 1. Januar 2000 übernahm Frau Prof. Dr. med. habil. Annelies Frühauf - Leiterin der Abteilung Hinterabschnittschirurgie - zum wiederholten Male die kommissarische Direktion der Klinik.

 

seit 2001

Seit dem 1. Mai 2001 ist Prof. Dr. med. habil. Lutz E. Pillunat der Direktor der Universitäts-Augenklinik Dresden.